Trinkwasser

Trinkwasserschutz durch Kooperation

Veröffentlicht: 17/02/2026 - 08:31
Aktualisiert: 27/02/2026 - 08:55
4 Minuten

Sauberes Trinkwasser ist eine unserer wichtigsten Ressourcen – und sein Schutz beginnt weit vor dem Wasserhahn. In der Region Attert & Wintger koordiniert Thomas Bodziuch seit sechs Jahren die Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers. Im Gespräch erklärt er, welche Herausforderungen bestehen, warum die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft entscheidend ist und wie innovative Anbauformen zum Erfolg beitragen.

VORSICHT IST BESSER ALS NACHSICHT

Thomas, kannst Du Dich bitte kurz vorstellen?

Nach meinem Abschluss als Ingenieur für Materialwissenschaften habe ich als Verfahrensingenieur im Abwasserbereich gearbeitet. Seit 6 Jahren bin ich als Quellenschutzbeauftragter – oder Animateur – für die Trinkwasserschutzzonen der Region Attert & Wintger tätig.

Was sind deine Hauptaufgaben?

Ich definiere, begleite und bewerte Maßnahmen, die dem langfristigen Schutz des Grundwassers dienen – ganz nach dem Motto: „Vorsicht ist besser als Nachsicht!“ Ziel ist es, Belastungen frühzeitig zu vermeiden, statt sie später aufwendig korrigieren zu müssen.

HERAUSFORDERUNGEN BEIM GRUNDWASSERSCHUTZ

Wie ist die Qualität des Grundwassers in unseren Schutzzonen einzuschätzen?

Sie ist sehr unterschiedlich und hängt stark von der Flächennutzung im Einzugsgebiet einer Wasserfassung ab. In landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen wie dem Attert-Tal stellen vor allem erhöhte Nitratwerte und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln die größten Belastungen dar. Wichtig ist aber: Grundwasserqualität ist nicht gleich Trinkwasserqualität – das Wasser aus dem Hahn erfüllt selbstverständlich alle gesetzlichen Standards, da es aufbereitet und regelmäßig kontrolliert wird.

KOOPERATION MIT DER LANDWIRTSCHAFT

Welche Ansätze gibt es, um die Wasserqualität zu verbessern?

Die enge Zusammenarbeit mit Landwirten ist entscheidend, um den Eintrag von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln zu verringern. Daneben dürfen aber auch industrielle Aktivitäten, die Abwasserbewirtschaftung in Siedlungsgebieten und die Sensibilisierung privater Haushalte nicht vernachlässigt werden.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Landwirten konkret aus?

Vor 5 Jahren haben sich die Gemeinden Bissen, Ell, Grosbous, Mertzig, Préizerdaul, Redingen und Wintger mit den Trinkwasserverbänden DEA und SEBES zusammengeschlossen, um eine verstärkte Kooperation mit der Landwirtschaft in den Trinkwasserschutzzonen aufzubauen. Dabei streben wir Win-Win-Situationen an – Lösungen, die sowohl der Ressource Wasser und damit dem Endverbraucher wie auch der Landwirtschaft entgegenkommen.

DIE SILPHIE – EINE PFLANZE MIT ZUKUNFT

Kannst Du ein Beispiel nennen, wo diese Zusammenarbeit besonders erfolgreich war?

Ja, in der Gemeinde Redingen konnten durch die aktive Unterstützung der Landwirte rund 80 % der landwirtschaftlichen Flächen in den Trinkwasserschutzgebieten unter Kooperationsvertrag gestellt werden. Ein wichtiger Baustein war dabei das Pilotprojekt „Alternative Kulturen als Wasserschutzmaßnahmen“, bei dem die mehrjährige Pflanze „durchwachsene Silphie“ als Ersatz für Silomais als Energiepflanze getestet wurde.

Was macht die Silphie so interessant?

Sie ist sehr umweltfreundlich: Sie kann über 10 bis 15 Jahren genutzt werden, benötigt weniger Dünger und kommt ab dem zweiten Jahr ohne Pflanzenschutzmittel aus. Zudem schützt sie den Boden vor Erosion, verbessert das Wasserhaltevermögen und bietet Bienen wertvolle Nahrung. Ihre Erträge (Trockenmasse und Gasausbeute) liegen dabei auf ähnlichem Niveau wie beim Silomais.

Wie wurde das Projekt in der Gemeinde Redingen umgesetzt?

Im Mai 2023 wurden mit der Unterstützung der Landwirtschaftskammer dort zehn Hektar Silphie in den Schutzzonen gepflanzt. Um den Ertragsverlust im ersten Jahr zu kompensieren, erfolgte eine Mischsaat mit Silomais. 2024 erfolgte die erste Ernte von reiner Silphie. Seitdem hat sich die Kultur zur großen Zufriedenheit der Landwirte entwickelt, was sich auch in den Erträgen widerspiegelt. Die Umstellung wird bis zu 75 % durch den Wasserfonds des Umweltministeriums gefördert; die restlichen Kosten übernahm die Gemeinde Redingen als Trinkwasserversorger. Das hat den Einstieg für die Betriebe deutlich erleichtert.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft unseres Grundwassers?

Ich wünsche mir, dass die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Landwirten, Beratungsstellen und Wasserverbänden weiter ausgebaut wird. Nachhaltiger Trinkwasserschutz funktioniert nur gemeinsam – und genau das erleben wir hier in der Region Attert & Wintger bereits sehr erfolgreich.

Thomas BODZIUCH

Chargé d’études
Animateur ressources eau potable

Syndicat intercommunal 
Distribution d’Eau des Ardennes - DEA 
Tél: 23 64 24 - 55  
Mobile: 621551755

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