Halto

Halto vernetzt Eltern und gibt Halt

Veröffentlicht: 03/08/2026 - 08:18
Aktualisiert: 17/08/2026 - 09:26
5 Minuten
Foto: Halto

Wenn ein Kind besondere Bedürfnisse hat, verändert sich oft das ganze Leben einer Familie. Der Alltag wird komplexer, Herausforderungen nehmen zu, und nicht selten sind Eltern so erschöpft, dass ihnen schlicht die Kraft fehlt, passende Hilfsangebote zu finden. 

Genau hier setzt HALTO an: als Netzwerk von Betroffenen für Betroffene, das pflegenden Angehörigen Orientierung, Austausch und Entlastung im Alltag ermöglicht und dies unabhängig von der Diagnose. HALTO möchte Menschen auffangen, die viel Verantwortung tragen, und ihnen zeigen, dass sie diesen Weg nicht allein gehen müssen. 

Die Initiative wurde von Nathalie Thill aus Schandel ins Leben gerufen. Heute versteht sich HALTO jedoch vor allem als gemeinschaftliches Netzwerk, das vom Engagement vieler lebt. Im Gespräch gibt die Gründerin Einblicke in die Entstehung und die Ziele von HALTO.

Wie und warum wurde Halto.lu gegründet? 

HALTO ist einerseits aus meiner eigenen Erfahrung als Mutter entstanden. Ich habe zwei Kinder mit Behinderung und habe im Laufe der Jahre selbst erlebt, wie komplex der Alltag für viele Familien sein kann. Es gibt viele gute Dienste, aber oft weiß man nicht, welche Unterstützung es gibt, wann sie sinnvoll ist oder welcher Schritt der nächste sein sollte. HALTO möchte diesen Zwischenraum füllen und Brücken bauen zwischen dem, was Familien konkret benötigen, und den bestehenden Angeboten. 

Andererseits habe ich gemerkt, wie wertvoll der Austausch auf Augenhöhe mit anderen Eltern ist, die ähnliche Erfahrungen machen. Aus diesen Begegnungen ist die Idee entstanden, ein Netzwerk aufzubauen, das Orientierung, Austausch und kleine Momente der Entlastung ermöglicht. Dabei verstehen wir uns nicht als Ersatz für medizinische, therapeutische oder sozialrechtliche Fachangebote, sondern als ergänzenden Raum für Austausch, Orientierung und Entlastung. 
 

Wie gestaltet sich der Alltag von Familien mit einem Kind mit Behinderung? 

Der Alltag ist organisatorisch äußerst fordernd: Oft muss ein Elternteil seine berufliche Tätigkeit reduzieren oder ganz aufgeben, weil die Vielzahl an Terminen kaum mit einem Job vereinbar ist. Hinzu kommt, dass verlässliche Strukturen für die Tagesbetreuung vielerorts fehlen. Unvorhersehbare Situationen, die ein sofortiges Eingreifen der Eltern erfordern, erschweren zusätzlich die gleichzeitige Erwerbstätigkeit beider Elternteile. 
Häufig tragen Mütter einen besonders großen Teil der Verantwortung, mit allen finanziellen und emotionalen Konsequenzen bis hin zur Erschöpfung. Gleichzeitig betrifft die Belastung ganze Familien. Zugleich führt das Aussetzen der beruflichen Tätigkeit oft zu sozialer Isolation und dem Gefühl, auf die Mutterrolle reduziert zu werden. 

Gibt es Beispiele, die Ihre Arbeit besonders bestätigen? 

Was mich immer wieder berührt, ist zu sehen, wie schnell Vertrauen entsteht, wenn Menschen merken, dass sie verstanden werden. 
Viele Eltern sagen, dass sie zum ersten Mal mit jemandem sprechen können, der wirklich nachvollziehen kann, wie ihr Alltag aussieht. Man merkt dann sehr schnell, wie wichtig es ist, einen Raum zu haben, in dem man einfach erzählen darf, ohne bewertet zu werden. 
Viele Eltern setzen sich intensiv mit der Situation ihres Kindes auseinander und eignen sich dabei ein enormes Wissen an. Dieses mit anderen Betroffenen teilen zu können ist eine wunderbare Erfahrung. 

Der eigene schwierige Weg bekommt manchmal eine neue Bedeutung, wenn man merkt, dass die eigenen Erfahrungen auch anderen Familien helfen können. 

Welche Pläne hat HALTO für die kommenden Jahre? 

In den kommenden Jahren möchten wir das Netzwerk weiter ausbauen und zusätzliche Begegnungsräume für pflegende Angehörige schaffen. Langfristig könnten daraus sogenannte Antennen oder kleine regionale Anlaufpunkte in verschiedenen Regionen des Landes entstehen. 
WIr wünschen uns, dass HALTO ein Ort wird, an dem Menschen sich gegenseitig stärken, Erfahrungen teilen und neue Formen der Entlastung entstehen. Unser Ziel bleibt dabei, Familien im Alltag konkret zu unterstützen. 

HALTO befindet sich im Aufbau. Viele Angebote entstehen Schritt für Schritt, gemeinsam mit Familien, Freiwilligen und möglichen Partnern. 

Foto: Halto

Welche größeren Projekte stehen aktuell im Fokus? 

Ein zentrales Thema ist die Freizeit- und Tagesbetreuung für Jugendliche mit einer Beeinträchtigung zwischen 12 und 20 Jahren. Viele Familien stehen hier vor großen Herausforderungen, da ihre Kinder nach der Schule oder während der Schulferien nicht alleine zu Hause bleiben können. 

Wir möchten zunächst den Bedarf im Kanton erheben und anschließend gemeinsam mit möglichen Partnern prüfen, welche Form einer passenden Tages- oder Freizeitstruktur realistisch aufgebaut werden könnte, etwa angelehnt an das Modell einer Maison Relais. 

Was genau beinhaltet das Projet CareBreak? 

Viele Menschen mit Unterstützungsbedarf können nicht alleine zu Hause bleiben, für ihre Familien bedeutet das eine permanente Präsenz, auch abends und am Wochenende. 

Gemeinsame Zeit als Paar oder persönliche Freiräume sind dadurch selten, für Alleinerziehende unmöglich. Genau hier setzt CareBreak an: Freiwillige schaffen verlässliche, kleine Auszeiten im Alltag. So können Angehörige für einige Stunden Verantwortung abgeben und wieder Zeit zu zweit oder für sich selbst erleben. 

CareBreak ersetzt keine heures de garde der Assurance dépendance. Es geht um zusätzliche freiwillige Entlastung im Alltag, ähnlich wie bei einem Babysitter. 

Kann man in Ihre Angebote hineinschnuppern? Wenn ja, wie? 

Ja, auf jeden Fall. Unsere Treffen sind bewusst offen und unverbindlich gestaltet. Wer möchte, kann einfach vorbeikommen, zuhören oder sich austauschen. 

Es gibt keinen Druck und keine Erwartungen. Bei HALTO gilt: Alles darf, nichts muss. 

Auch CareSupport darf gerne kontaktiert werden. 

Foto: Halto

Sind die Angebote kostenlos? Wo finden die Treffen statt? 

Unsere Treffen finden derzeit im Kanton Redange statt, mit der Möglichkeit, sich digital zuzuschalten. Die Teilnahme ist kostenlos. Mittelfristig möchten wir das Netzwerk landesweit ausbauen.

Interesse an einem verlässlichen Tagesangebot für Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf? 

Ihr seid Eltern eines Jugendlichen (12-20 Jahre) und wünscht euch mehr Unterstützung im Alltag? 
Dann meldet euch bei uns! Wir prüfen aktuell den Bedarf für eine solche Tages- oder Freizeitstruktur im Kanton Réiden. Unser Ziel ist es, Familien spürbar zu entlasten und Jugendlichen einen passenden, verlässlichen Betreuungsrahmen zu bieten. 

Eure Rückmeldung ist ein entscheidender Schritt, um dieses Angebot Wirklichkeit werden zu lassen.

Lust Zeit schenken und Familien entlasten: Freiwillige gesucht! 

Für unser Angebot CareBreak suchen wir Menschen, die stundenweise Zeit schenken möchten. 
Als Freiwillige schenkt ihr Menschen mit Unterstützungsbedarf Zeit, Präsenz und Verlässlichkeit, damit ihre Familien kurz durchatmen können. 
Es geht nicht um Pflege, sondern um Präsenz, Ruhe und Verlässlichkeit. Mitmachen können Menschen ab 18 Jahren. Wir bauen CareBreak bewusst generationenübergreifend auf, und freuen uns über Menschen jeden Alters. Schulungen sind geplant. 

Habt ihr Lust, Teil davon zu sein? 

Dann meldet euch bei uns! Mehr Infos: www.halto.lu/freiwillige

HALTO asbl Luxembourg 
(+352) 621 243 103 
info@halto.lu
www.halto.lu

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